Ringkampf im Wohnzimmer

Drei Wochen sind seit Lenny´s Unfall schon vergangen und er muss noch immer Verband tragen. Jetzt tut er ja sogar mir schon fast etwas leid. Die Fäden sind zwar schon entfernt, aber ein Drittel der Wunde ist leider noch nicht verheilt.
Als nach 5 Tagen der Verband entfernt wurde und alles super aussah, bekam Lenny erstmal keinen Verband mehr über seine Wunde. Nur für draußen sollte er einen Spezialschuh tragen. Funktionierte auch gut, leider nur 2 Tage. Dann dürfte er bei den Badezimmerteppichschlaufen hängen geblieben sein – denn dort begann seine blutige Spur – und ein Stück Naht musste daran glauben. Also wurde wieder verbunden. Und wieder ging das Lennyaufpasstheater los. Ständig versuchte ein Mitglied der Familie ein Auge auf ihn zu werfen und wenn nötig einzugreifen, wenn er am Verband oder dem Schutzstrumpf der darüber ist, herumbeißen wollte.
„Lenny, lass das“, und schon war Frauchen  bei ihm. „Sei froh, dass wir uns so um dich kümmern. Wenn ich Beschwerden habe, fällt das meistens nicht einmal jemanden auf. Jeder defekte Porsche am Straßenrand erzeugt bei deinem großen Herrchen mehr Mitgefühl, als bei mir,“ meinte Frauchen und streichelte ihn weiter.
Heute, am Sonntag gelang es Lenny allerdings trotzdem. Er schaffte es, den Strumpf samt Verband in einem Arbeitsgang zu entfernen. Da  morgen ohnehin wieder Kontrolle beim Tierarzt angesagt war, versuchten es meine 2beiner selber, ihn zu verbinden. Lustig, sage ich euch!
Zuerst schnitt sich Herrchen mal eine Wundauflage passend. Danach auch noch etliche Streifen Leukoplast. Auch der Verband wurde am Couchtisch aufgelegt, damit er dann alles gleich bei der Hand hatte. Lenny lag einstweilen auf der Bank. Florian kraulte ihn, damit er abgelenkt wurde. Als sich Herrchen dann allerdings dazugesellte und Lenny das Verbandzeugs sah, war die Gefahr sehr groß, dass er seine Schnauze verbunden bekam, denn die musste natürlich immer genau alles beschnuppern. Also hielt Florian dann Lenny´s Kopf. Das gefielt ihm natürlich überhaupt nicht, daher versuchte er mit seinen Hinterbeinen, Herrchen von der Bankkante zu schupsen, was ihm fast gelungen wäre. Volle Action sage ich euch! Dies gefiel dann Herrchen nicht. Also musste ich natürlich eingreifen. Mein gelungener Sprung auf Lenny´s Bauch – er lag ja rücklings auf der Bank – kam allerdings wieder mal nicht richtig bei Herrchen an. Fast hätte ich aus dem Wohnzimmer raus gemusst. Dabei wollte ich doch nur meine Hilfe anbieten. Aber, was soll´s.
Gelangweilt schaute ich, was am Couchtisch so los war – und da war Einiges los! Fast hätte sich so ein gefährliches, hautfarbiges,klebriges Band an meine Schnauze geklettet. Das konnte ich allerdings gerade noch abwehren. Bei dem weißen, längeren Band war ich dann allerdings vorsichtiger. Ich beschnupperte es und als sich dabei nichts tat, nahm ich es vom Tisch um es genauer zu untersuchen. Als Lenny das sah, wollte er natürlich mit untersuchen. (Herrchens Kommentar sollte hierbei besser nicht veröffentlicht werden).
Jetzt musste Herrchen nochmals einen Verband passend scheiden. Und Lenny versuchte zu mir auf den Boden zu gelangen, das versuchte allerdings Florian zu verhindern.
Jedenfalls ähnelte das Ganze diesen komischen asiatischen Kampfsportarten, wo die im Pyjama am Boden herumkugeln. Frauchen war jetzt zur Verstärkung auch mit von der Partie. Lustig, sage ich euch. Voll lustig! Ich hatte mir, mit sicherem Abstand, einen Aussichtsplatz gesichert und behielt so den Überblick.
Am Ende hatte Lenny dann einen fast profimäßigen Verband angelegt, Frauchen eine sehr wirre Frisur (bei Herrchen ist das ja bei seinem Haarschnitt 2 links, eins rechts oder umgekehrt – nicht möglich), Herrchen´s Blick war vom Angefressenseinmodus in den Stolzseinmodus (wegen dem fast profimäßigen Verband) gewechselt und Florian war eigentlich noch der „Normalste“. Aber kein Wunder. Der leidet ja immer mit, wenn mit seinem Scheißerchen auch nur die kleinste Kleinigkeit ist. Aber morgen ist Lenny ja wieder beim Profi verbinden. Da wird er dann wieder, wie eine Statue am Behandlungstisch stehen und alles über sich ergehen lassen. Hauptsache er ist wieder schnell draußen.

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