Immer diese Undankbarkeit

Ha, ha! Jetzt wird´s wieder mal lustig!

Herrchen hat vor einiger Zeit ein neues Auto gekauft – Altherrenfahrzeug meint Frauchen. Aber komisch – fahren tut Frauchen nämlich auch sehr gerne damit. Also auch Altfrauen- oder -damenfahrzeug, meine ich. Auch wenn es da einige Anlaufschwierigkeiten gibt. Ja gibt, nicht gab. Denn damit diese beseitigt werden würden, müsste Frauchen noch ein gutes Stück wachsen.
Also: Wir wollen einkaufen fahren und ich darf natürlich mit. Wir gehen zum Auto und Frauchen drückt auf einen Knopf am Schlüssel – äh, Schlüssel ist das ja gar nicht mehr, aber egal. Jedenfalls geht der Kofferraum schon im Zeitlupentempo auf, obwohl wir noch gar nicht beim Auto sind. Der Korb und die Stofftaschen verschwinden im Kofferraum und wieder wird auf einen Knopf gedrückt. Dieses Mal auf der Stirnseite des Deckels und der geht wiederum, ganz sachte herunter und schließt. Auch die Wagentüre entriegelt, obwohl Frauchen gar nichts bewußt aufschließt. Schwupps, bin ich auch schon auf der Rückbank und werde angehängt.
Dann steigt Frauchen vorne ein. Wichtig wie ich nun einmal bin, man muß ja den Überblick haben, versuche ich gleich meine Vorderpfoten auf der Mittelkonsole zu platzieren. Aber – denkste! Der Abstand zwischen Rückbank und Konsole ist für mich zu groß. Also muß ich ganz auf die Konsole. Dafür reicht die Länge meines Gurtes Gott sei Dank. Der Hundegurt ist an meinem Brustgeschirr befestigt und funktioniert genauso wie der, für Zweibeiner. Sachte vorgebeugt rollt er aus, aber wenn zum Beispiel gebremst wird, dann stoppt er abrupt. Die Gesamtlänge ist so eingestellt, dass ich mich im Auto bewegen kann. Ich kann allerdings nicht auf den Schoß des Fahrers oder Beifahrers springen. Frauchen hat das so arrangiert, damit ich vorne immer raussehen kann, wenn mir danach sein sollte. Und so macht es auch voll Spaß.
Jedenfalls stehe ich jetzt auf der Mittelkonsole, oder besser gesagt am letzten Zipfel von dieser. Frauchen sitzt am Fahrersitz und flucht.
Der Sitz ist noch auf die Maße vom letzten Lenker eingestellt – also vom großen Herrchen. Auf dem „Schlüssel“ sind auch die Einstellungen (Sitzlänge, optimale Lehneneinstellung, Nackenstützen- und Lenkradeinstellung, die Temperatur der Klimaanlage und was weiß ich noch alles gespeichert). Auf jedem der beiden „Schlüssel“ befinden sich die Daten von allen meinen Zweibeinern.  Man setzt sich also in den Wagen und drückt den Startknopf. Als nächstes gibt man dann seinen Namen ein und der Sitz fährt in die richtige Stellung, die Außenspiegel und der Rückspiegel stellen sich ein   usw.
Allerdings muss man gleichzeitig mit dem Startknopfdrücken auch die Fußbremse betätigen. Das geht allerdings sehr schlecht bis fast gar nicht, wenn nach einem langen „Lulatsch“ dann jemand mit 1,61 einsteigt. Also flucht Frauchen erst mal darauf los. Sie rutscht daher auf dem Fahrersitz so weit nach vorne, bis sie die Fußbremse erreicht. Dabei verschwindet sie oder besser ihr Oberkörper immer mehr vom Sitz und liegt schon fast unter dem Lenkrad. Von außen ist sie mit Sicherheit nicht mehr zu sehen. Muss richtig  lustig aussehen, wenn ein Auto ohne Fahrer plötzlich startet.  Mit der rechten Hand tastet sie sich dann noch rauf zum Startknopf und drückt diesen. Alles  mit ordentlichem Fluchen umrahmt.
Ich will natürlich mein Frauchen aufmuntern und recke und strecke mich so gut ich kann – schau dabei einem Türstopperzugluftdackel  ziemlich ähnlich – und schlecke meinem Frauchen fürsorglich über den Nacken. Die Sonnenbrille, die sie in den Haaren stecken hat, reinige ich auch gleich mit. Aber die (Frauchen halt) weiß das dann gar nicht zu würdigen. Sie hängt etwas hilflos im Fahrersitz (ist allerdings viel zu milde ausgedrückt, wie ein Käfer am Rücken halt) und ich hänge  fast in ihrem Nacken, denn weiter geht mein Gurt nicht. Bewegungsfreiheit ist da nicht mehr viel drinnen. „George, aus! Es reicht, dass man da die ärgsten Verrenkungen machen muss um das Auto starten zu können, da brauch ich das nicht auch noch. In dem ganzen Ärger macht sich dann aber die Sonnenbrille selbständig und rutscht auf den Sitz. Frauchen hat gerade das Auto erfolgreich gestartet und gibt ihren Namen ein, als dann der Sitz vorfährt und die, für sie optimale Sitzposition, eingestellt wird. Gerade als sie es sich bequem machen will, gibt es dann ein unschönes Knirschen. Das WAREN Frauchens Sonnenbrillen! Tja, blöd gelaufen. Wäre sie nur etwas dankbarer für meine Fürsorge gewesen, dann wäre das ja vielleicht nicht passiert. Und in Zukunft wird´s mich doch so was von überhaupt nicht interessieren, wenn Frauchen wieder ihre Yoga-Streck-Verrenkübungen im Auto macht. Hätte sie halt größer werden müssen. Immer diese Undankbarkeit mir gegenüber!!!

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