Dumm gelaufen Teil 1

Am Samstag- und Sonntagvormittag dreht Herrchen immer eine große Runde mit mir und Lenny. Wir gehen beim Waldgartentürl raus und sind dann eine gute Stunde, so ca. 5 km unterwegs. Allerdings nicht im Flachland, sondern im „steilen“ Gelände. Nicht umsonst meint Frauchen immer, dass wir schon fast zum wilden Bergvolk zählen. Aber halt nur fast! Da geht`s dann ziemlich bergauf, vorbei an einigen Futterkrippen und Hochständen, bis wir oben angelangt sind.

Meistens ist das „Florianikreuz“ unser Ziel. Ein großes Holzkreuz, das an einen fürchterlichen Waldbrand vor ca. 30 Jahren erinnern soll. Dort wird dann kurz verschnauft, bevor es einen anderen Weg wieder runter geht. Wobei man Weg eigentlich gar nicht dazu sagen kann. Trampelpfad wäre der bessere Ausdruck. Da geht`s dann aber wirklich steil bergab. Bei schlechtem Wetter ist das eine ordentliche Rutschpartie. Frauchen mag den Weg nicht so sehr. Aber die rutscht ja auch schon auf den herumliegenden Bockerln aus, ohne dass der Untergrund naß vom Regen ist. Und wenn sie dann mal so richtig flucht, kommt von Herrchen immer: „Es gibt keinen schlechten Weg, nur schlechte Ausrüstung“ und meint damit immer Frauchens Schuhe. Diese Meldung macht die Situation allerdings auch nicht besser.

Dabei hat sie eh immer geländetaugliches Schuhwerk an. Im Gegensatz zu Herrchen. Der geht nämlich prinzipiell immer mit Crocs. Im Sommer mit Sommercrocs und im Winter mit wintertauglichen. Aber der hat seine Crocs oder die Füße halt wirklich im Griff. Na und das ärgert Frauchen natürlich. „Über meine Schuhe keppeln aber selber „gschlapft“ unterwegs sein“, antwortet sie dann meistens. „Solche Schlapfen ziehe ich vielleicht im Garten an. Allerdings auch NUR dort. In denen sieht doch das schlankeste Bein einem Elefantenfuß ähnlich. Und so wie du diese Latschen anpreist muss man ja fast annehmen, dass du am Umsatz beteiligt bist. Außerdem: Mir immer tolle Ratschläge geben und selber nichts einhalten!“

Damit erinnert sie dann Herrchen immer an sein Segel-Hoppala. Nicht nur 1 mal oder 10 mal – nein, sicherlich 100x hatte Herrchen vor einigen Situationen am Segelboot gewarnt. Darunter zum Beispiel, dass man sich vor dem Baum in Acht nehmen müsse. Der Baum am Segelboot ist nicht etwa für mich ein Extra, damit ich mich an Bord wohl fühle. Nein, leider! Damit ist diese Stange oder so gemeint, die das Unterteil des Segels trägt und sehr beweglich ist. Wendet man das Boot zum Beispiel, dann schlägt der Baum auf die andere Seite. Aber es kann auch ohne Wende vorkommen, dass der Baum „schlägt“. Steht man da im Weg, dann kann man schon mal über Bord gehen. Im besten Fall wird man nass und hat blaue Flecken oder eine Beule. Im schlimmsten Fall bekommt man so einen kräftigen Schlag auf den Kopf, dass man bewußtlos oder sehr benommen über Bord geht und ertrinken kann. Gerade bei „vollgetankten“ Seglern ist das eine der häufigsten Unfallursachen. Dabei trinken die doch alle fast gar nicht!

Auch die Zehen sind an Deck sehr gefährdet. Leicht kann man sich nämlich in einem Seil verheddern oder sich die Zehen anstoßen, sollte das Boot unerwartet in Seitenlage kommen. Daher ist es immer ratsam Bootsschuhe zu tragen. Na jedenfalls – Frauchen passt immer auf. Sie hat es ja oft genug vorgesagt bekommen, von Herrchen.

Und dann sind wir wieder mal mit dem Boot unterwegs. Ein sehr schöner Tag. Sonne und ein herrlicher Segelwind. Frauchen liegt im Cockpit auf der Bank und döst dahin und Herrchen steuert. Plötzlich fährt eine Windböe ins Segel und man hört ein eigenartiges Geräusch. Also riskiert Frauchen mal einen vorsichtigen Blick. Vorsichtig deshalb weil ja die Sonne scheint und sie ihre Sonnengläser abgenommen hat und überhaupt. Na und wie sie dann so schaut, sieht sie Herrchen, der gerade vom Boden aufsteht und irgendwie komisch aus der Wäsche schaut. Oder besser gesagt aus der Badehose, weil mehr hat er ja nicht an. Frauchen macht die Augen wieder zu – die Sonne blendet ja sehr unangenehm – und fragt so ganz nebenbei: „Ist etwas runtergefallen, da hat irgendetwas gescheppert oder so?“ Keine Antwort. „Na, redet der nicht mehr mit mir oder was ist los?“ denkt sich Frauchen. Also setzt sie sich wieder auf, greift ziemlich genervt nach ihrer Sonnenbrille und sieht nach, was los ist.

Ich, ganz fürsorglicher Pudel halt, setze mich auf Herrchens Schoß und schlecke genüßlich über seinen Hals. Aber auch nur kurz. „Wann erfinden die endlich eine Sonnencreme die nach Leberwurst schmeckt?“ denke ich, springe wieder runter und gehe zum Wassernapf um diesen scheußlichen Geschmack wieder loszuwerden.

Herrchen sitzt auf der Bank,  schaut noch immer komisch aus der Wäsche und streicht immer wieder mit der Hand über seine rechte Schläfe.  „Ist alles ok?“, fragt Frauchen nochmals. Diesmal fast schon etwas beunruhigt, aber halt nur fast.
„Ist dir nicht aufgefallen, dass mich der Baum am Kopf getroffen hat? Ich bin sogar kurz zu Boden gegangen. Mir brummt jetzt noch der Schädel. Ich gehe fast über Bord und dir fällt es nicht einmal auf“, sagt er sehr vorwurfsvoll.

„Also bist du am Steuer oder ich? Und wenn ich so dahindöse kann ich ja wohl kaum sehen, was du so treibst. Wenn du alleine segelst, dann hast du auch niemanden der auf dich aufpasst und DU prädigst doch immer, dass man das nicht unterschätzen darf!“ erwidert Frauchen dann ziemlich genervt. „Soll ich aus dem Kühlschrank eine kalte Dose holen, dann kannst du damit deine Schläfe kühlen“,  fragt Frauchen aber trotzdem fürsorglich. „Ja bitte“, meint Herrchen. Also holt sie eine Dose Bier und beginnt gerade damit, Mitleid mit ihm zu haben. Aber was macht Herrchen bitte schön? Nicht etwa, dass er sich die Dose an die Schläfe drückt. Nein! Er öffnet sie und nimmt einen kräftigen Zug! „Na so arg kann´s ja dann wohl nicht gewesen sein, wenn du jetzt schon wieder Bier verträgst“, meint Frauchen kopfschüttelnd.

„Hast du meine Sonnenbrille gesehen? Die hatte ich vorher auf. Die muss hier noch irgendwo herumliegen,“ fragt Herrchen.  Die Brille blieb allerdings verschwunden. Also kamen meine Zweibeiner zu dem Entschluß, dass sie über Bord ging. Ohne Herrchen dran. Und da wir die ganze Zeit weitergesegelt waren, der Neusiedlersee nicht gerade klare Sicht auf den Grund bietet und wir den „Unfallpunkt“ natürlich nicht mit GPS-Daten gekennzeichnet hatten, machte es auch wenig Sinn umzukehren. Und wenn die Brille noch so teuer war. Dumm gelaufen halt.

Gott sei Dank war aber nicht mehr passiert. Herrchens Kopf brummte zwar noch ziemlich und seine Schläfe zierte ein großer dunkelroter Fleck. Aber als wir an unserem Liegeplatz in Mörbisch ankamen, wurde dann gleich mit den Bootsnachbarn das Geschehen „analysiert“. Und bei DEN Geschichten die dann von allen erzählt wurden, wundere ich mich ja heute noch, dass sie alle überlebt haben, rund um den Neusiedlersee noch keine Tsunamiwarnung gegeben wurde und keines der Seeungeheuer ausgestopft in einem burgenländischen Museum zu bestaunen ist.

Aber eigentlich wollte ich euch ja eine ganze andere Geschichte erzählen. Bin irgendwie abgeschweift – sorry. Sie hat allerdings auch mit Herrchens heißgeliebten Crocs zu tun. Allerdings in der kalten Jahreszeit, nämlich im vergangenen Winter. Also vor wenigen Wochen halt. Aber DIE erzähle ich euch dann gleich demnächst…

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